Gemeindezentrum Carlsbau
In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nahm die Bevölkerung Haslachs ständig zu. Die als ”Kinderschule” benutzten Räume in der Markgrafenstraße stellten sich immer mehr als unzureichend heraus. Deshalb hatte schon 1920 auf Betreiben von Pfarrer Carl Kistner der Kinder- und Krankenpflegeverein ein Grundstück unweit der Kirche erworben, auf dem ein Schwesternhaus und ein Gemeindsaal mit Kindergarten errichtet werden sollten. Es vergingen aber noch mehrere Jahre, bis am 21. April 1928 das neue Gebäude eingeweiht werden konnte. In der ”Freiburger Tagespost” hiess es u.a.:
”In einer schlicht-einfachen, aber ungemein eindrucksvollen
Feier wurde ein Bauwerk der Öffentlichkeit übergeben, das
für den Vorort Haslach ein wirklich dringendes Bedürfnis ist.
Das ganze Anwesen ist 2 1/2 Morgen groß und steht auf der
Grenzscheide wie eine Brücke zwischen Althaslach und
Neuhaslach im Mittelpunkt der rapid wachsenden Vorort-
gemeinde.”
Das Haus umfasste neben der Schwesternstation und einer ambulanten Krankenpflegestation einen Kindergarten mit Waschraum und Liegehalle sowie im Außenbereich eine Spielwiese für die Kinder, dann eine Nähstube, ”Frauenarbeitsschule” genannt, und einen Gemeindesaal mit einer großen Bühne.
Die Spendenbereitschaft der Pfarrgemeinde, viele Sammlungen und Kollekten trugen zur Finanzierung bei. Einen wesentlichen Beitrag leistete Carl Kistner auch selbst durch Stiftungen aus seinem eigenen Vermögen. Zu seinen Ehren erhielt die gesamte Anlage den Namen Carlsbau.
1930/31 wurde direkt gegenüber der Kirche ein Wohngebäude erbaut, in dem auch einige Läden ihren Platz fanden. Die Mieteinnahmen dienten dem Unterhalt des Carlsbaus und der Abtragung der Kredite und Zinsen. Durch einen Torbogen wurde eine Verbindung zum dahinter liegenden Carlsbau hergestellt.
Schnell füllte sich das neue Gebäude mit Leben. Nicht nur die Kinder fanden eine neue Heimstatt. Kirchliche und weltliche Veranstaltungen und viele, heute noch berühmte Theateraufführungen machten den Carlsbau zu einem kulturellen Mittelpunkt Haslachs.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass der Kindergarten neueren Erkenntnissen und modernen pädagogischen Anforderungen nicht mehr entsprach. Pfarrer Bernhard Jung sorgte mit den zuständigen Gremien für einen Neubau, der neben dem alten Gebäude 1973 bezogen wurde.
Nach dem Auszug des Kindergartens stellte sich im Laufe der folgenden Jahre heraus, dass die Bausubstanz des Saales, der nun ausschließlich für pfarrliche Zwecke genutzt wurde, sehr zu wünschen übrig ließ. Nach langwierigen Verhandlungen beschlossen Pfarrer Franz Josef Ehrath und der Pfarrgemeinderat 1981, den baufälligen alten Carlsbau durch ein neues Pfarrzentrum zu ersetzen. Dieser, durch Architekt Peter Wopperer geplante neue Carlsbau, wurde am 17. April 1983 durch Dekan Gerhard Heck eingeweiht.
Das neue Haus bietet seither durch ein großzügiges Foyer, eine zeitgemäße Küche, den schönen Saal und mehrere Nebenräume im Untergeschoss eine Plattform für viele Unternehmungen der Gemeinde. Pfarrveranstaltungen, Bildungsabende, Feste und Feiern, Kirchenchorproben und Gruppenarbeit mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern finden hier statt. Die Kolpingfamilie und der Gesangverein Liedertafel versammeln sich regelmäßig. Der Carlsbau ist aus dem Leben der Pfarrei St. Michael nicht mehr wegzudenken.
